» Dr. Harald Terpe MdB » Landesverband M-V » Bundesverband » Bundestagsfraktion » Europafraktion » Grüne Jugend » Böll-Stiftung
Sie sind hier: Startseite  / Themen  / Gentechnik 

Gentechnik ade, und wie dann weiter?

Weltweit wird über den Erhalt der Artenvielfalt als Basis unserer Kulturpflanzen diskutiert. Die Natur ist durchaus noch vital, anpassungs- und aus sich heraus wandlungsfähig. Die augenfälligen Klima- Veränderungen schoben das Thema - natürliche Artenvielfalt - in jüngerer Zeit erneut an.

Konzerne, die aus Pflanzenzüchtung, Produktion von Herbiziden und Insektiziden sowie einige Landwirtschaftsbetriebe und Teile der Lebensmittelindustrie diskutieren ganz anders. Hier wuchs die Idee, dass menschlicher Erfindergeist unsere Fragen der Ernährung schon beantworten wird. Es öffnete sich eine neue Nische für Forscher und Labore, und es entwickelte sich geradezu ein Boom, aus dem heraus viele Konzerne mit ihrer Gewinnorientierung verdienen wollen.

Landwirte richten sich in ihren Entscheidungen weltweit nach betriebswirtschaftlichen Vorteilen. In weiten Teilen der Welt, insbesondere in den USA, werden gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Bisher ist es nicht gelungen, bessere Erträge zu erzielen. Ziele von genverändertem Saatgut sind: die Resistenz gegenüber Unkrautvernichtungsmitteln, die Abwehr von Schädlingen und die Veränderung von Inhaltsstoffen.

Der Mais als ein Beispiel:

Der Mais wird als erstes genannt, wenn bei uns über Gentechnik gesprochen wird. In den vergangenen Jahren haben sich aus Amerika kommend zwei Schädlinge ausgebreitet: der Maiszünsler und in Süddeutschland der Maiswurzelbohrer, die erhebliche Ertragsausfälle verursachen können. Der Maiszünsler ist ein kleiner Falter, der seine Eier an den Maisblättern ablegt. Die Raupen bohren sich in den Stängel ein und fressen abwärts. Die Raupe überwintert unten im Stängel, verpuppt sich im Frühjahr, und im Juli fliegt der Falter zur Eiablage. Eigentlich ist die Bekämpfung des Maiszünslers kein Problem. Es gibt natürliche Feinde (Brackwespen) und Möglichkeiten der gezielten biologischen Bekämpfung (Erzwespen). Wirkungsvoll sind all diese Maßnahmen aber nur, wenn die meisten Raupen durch das Unterpflügen der Maisstoppel vernichtet werden und - da der Falter nicht weit fliegt - der Mais jedes Jahr auf einem anderen Feld angebaut wird (Fruchtfolge). Das ist im Maisgürtel der USA, wo nur Mais und Soja zum Anbau kommen, nicht gegeben. Die Farmer bauen deshalb genveränderten Mais an. Dieser so genannte Bt-Mais erzeugt ein die Raupen abtötendes Gift. So wird der Mais zur Giftpflanze. Mit der geernteten Pflanzenmasse sowie über die weit fliegenden Pollen wird das Gift weit in der Umwelt verbreitet. Die Gefahren, die von diesem Insektengift für andere Lebewesen ausgehen, sind im Einzelnen noch nicht bekannt.

Noch tritt der Maiszünsler in Mecklenburg-Vorpommern vereinzelt auf. Wenn Betriebe, wie es einige tun, den Mais weiterhin in Monokultur oder in einer sehr engen Fruchtfolge anbauen, und auch die Stoppeln nicht unterpflügen, wird sich der Maiszünsler ausbreiten. Dann könnte der Anbau von genmanipuliertem Mais betriebswirtschaftlich vorteilhaft erscheinen. Zu erwarten ist, dass der Zünsler mit der Zeit gegen das Gift im Bt-Mais resistent wird und dann andere gentechnisch veränderte Maissorten interessant werden.

In der Landwirtschaft können wir aber auch ohne Gentechnik steigende Erträge erzielen und eine effiziente Landwirtschaft betreiben. Durch die Erweiterung der Fruchtfolge, statt zunehmender Monokulturen, lassen sich nicht nur weite Transporte vermindern. Eigentlich wissen wir, dass eine ökologisch-gärtnerische Herangehensweise die Böden verbessert und die Pflanzen kräftigt. Die Möglichkeiten der „normalen“ Pflanzenzucht gibt uns zusätzlichen Spielraum. Im Verbund mit einer ökologischen Tierhaltung schließt sich ein weiterer Kreislauf, der z.B. Mineraldünger einsparen hilft. Mit einer Vielfalt im Anbau statt gentechnisch veränderter Saaten kann durchaus Krankheitserregern und dem Beikraut der Kampf angesagt werden. Das nötige Wissen ist längst da und somit gibt es auch gerade bei uns eine gute Chance für eine gentechnikfreie Region (z.B. in den Landkreisen Bad Doberan und Güstrow).

Der Bio-Boom hat gezeigt, dass die Verbraucher durchaus für bessere Qualität etwas mehr zahlen. Es kann sich wirtschaftlich lohnen auf ökologischen Landbau umzusteigen und einer Entwicklungsidee aus der Genforschung, nämlich der genetischen Veränderung von Kulturpflanzen die rote Karte zu zeigen.

 

Die verarbeitende Industrie lehnt Genpflanzen teilweise schon heute ab. Einige Ölmühlen gehen das Risiko nicht ein, eine große Käuferschaft zu verlieren. Auch aus der Sicht von Agrarbetrieben stehen die Chancen für gentechnikfreie Regionen eigentlich gut. Die Preise für Raps und Weizen, und auch andere Getreidearten sind gestiegen. Landwirte, die genveränderte Pflanzen anbauen, laufen Gefahr, durch Bindung an die Hersteller des Saatgutes und der Herbizide sowie die eingeschränkten Möglichkeiten der Vermarktung in Abhängigkeit bestimmter Konzerne zu geraten. Der Bauernverband MV rät seinen Mitgliedsbetrieben vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ab, weil insbesondere die Haftungsfragen für mögliche Schäden nicht geklärt sind.

Bei uns in Mecklenburg-Vorpommern sind durch die Einhaltung der altbewährten Fruchtfolge, bei der dieselbe Fruchtart nur nach vier bis sechs Jahren auf dem selben Schlag zum Anbau gelangen sollte, die Probleme der Unkraut- und Schädlingsbekämpfung ohne Gentechnik zu lösen. Betriebe, die zur Monokultur bei Mais übergegangen sind und auch die Maisstoppeln nicht unterpflügen, sollten in Anbetracht der Gefahr der Ausbreitung der Maisschädlinge ihre Wirtschaftsweise überdenken.

Mais wird in MV zurzeit auf etwa zehn Prozent der Ackerfläche angebaut. Auch wenn der Anteil durch neue Biogasanlagen weiter steigt, ergibt sich daraus nicht der Zwang zur Monokultur. Betriebe, die einen zu umfangreichen Maisanbau praktizieren, könnten durch Flächentausch mit Nachbarbetrieben eine Lösung anstreben. Verpächter von Ackerland können von der Möglichkeit Gebrauch machen, in den Pachtverträgen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen abzulehnen.

 

Gentechnik-Experten des BUND diskutieren mit den Befürwortern seit langem kontrovers die Komplexität der Folgen. Wir wollen die Bildung gentechnikfreier Zonen im Land unterstützen, und wünschen uns dazu Ihre Mithilfe. Der Flickenteppich mit gentechnikfreien Zonen soll sich zu einem Ganzen, im Sinne unserer gesunden Ernährungsansprüche und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von landwirtschaftlichen Betrieben, entwickeln.

 

Ihre Wahl kann dazu beitragen

 

 

 

Der Artikel wurde, aus entsprechender Sachkompetenz in wesentlichen Bereichen,

aus Veröffentlichungen von Herrn Dr. Bauer (Kambs) übernommen.


  ###BOOKMARKS###